Genbanken – die Schatzkammern der Pflanzenvielfalt
Shownotes
Die Arche Noah der Pflanzen – warum Genbanken unsere Zukunft sichern
Was passiert eigentlich mit alten Gemüsesorten, wenn sie niemand mehr anbaut? Die Antwort führt ins Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) nach Gatersleben. Dort lagern rund 150.000 Saatgutproben – eine der größten Genbanken weltweit. Sie bewahrt die genetische Vielfalt unserer Kulturpflanzen und sichert damit eine wichtige Grundlage für die Landwirtschaft von morgen. In dieser Folge spricht Annette Weiß mit Prof. Dr. Dr. Andreas Börner, der viele Jahre das Saatgutmanagement der Genbank verantwortet hat.
Ihr erfahrt, 🌱 wie eine Genbank funktioniert, 🌍 warum Saatgut sogar auf Spitzbergen im ewigen Eis eingelagert wird, 🥬 weshalb alte Sorten für moderne Pflanzenzüchtung unverzichtbar sind, 🌾 wie neue Sorten entstehen, 🌡️ welche Rolle genetische Vielfalt im Klimawandel spielt, 🧬 und warum Biodiversität nicht nur auf Blumenwiesen, sondern auch in Kühlhäusern bewahrt wird. Eine faszinierende Reise in die Schatzkammer unserer Ernährung – und ein Blick darauf, warum alte Samen unsere Zukunft sichern können.
Zu Gast Prof. Dr. Dr. Andreas Börner Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK), Gatersleben
Mehr Informationen 🌱 Genbank des IPK Gatersleben https://www.ipk-gatersleben.de/infrastruktur/genbank 🧬 Forschungsgruppe Ressourcengenetik und Reproduktion https://www.ipk-gatersleben.de/forschung/genbank/ressourcengenetik-und-reproduktion 📸 Instagram: @kohlkosmos
„Bunt isst gut“ ist ein Podcast des Leibniz-Instituts für Gartenbauwissenschaften, moderiert von Annette Weiß.
Transkript anzeigen
00:00:05:
00:00:08: Herzlich willkommen
00:00:09: bei BUND
00:00:10: ist gut, dem Podcast für kluge Ernährung und gesunde Vielfalt.
00:00:15: Was hat die Vielfald auf unseren Feldern mit unserer Gesundheit zu tun?
00:00:19: Und wie abwechslungsreich sollte unsere Ernährungen eigentlich sein?
00:00:24: Moderatorin Anette Weiß spricht mit Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft über die Zusammenhänge zwischen biologischer Vielfalthe, Ernährungs- und unserer Gesundkeit Denn Vielfalt ist nicht nur für unsere Umwelt
00:00:36: wichtig,
00:00:37: sie gehört auch auf unserer Teller.
00:00:42: Herzlich willkommen zu BUND IST GUT und spannenden Einblicken in den Kohl- und Gemüsekosmos heute zum Thema alte und neue Sorten und Zuchtungen und Genbanken!
00:00:54: Was wäre wenn eine wichtige Gemüsesorte plötzlich von einer Krankheit befallen würde?
00:01:00: Oder wenn der Klimawandel dafür sorgt, dass unsere heutigen Kohlsorten in Zukunft nicht mehr wachsen.
00:01:05: Für solche Fälle gibt es gewissermaßen eine Versicherung für unsere Ernährung – Genbanken!
00:01:12: Einer der Menschen die diese genetischen Schätze bewahren ist mein heutiger Gast Prof.
00:01:16: Dr.
00:01:17: Andreas Wörner.
00:01:18: Er arbeitet am Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung in Gartas Leben.
00:01:23: Und wacht über die Genbank mit rund einhundertfünfzigtausend Saatgutmustern, eine der größten Sammlungen ihrer Art weltweit!
00:01:31: Mit ihm spreche ich darüber, warum alte Sorten so wertvoll sind wie neue Sorten entstehen und weshalb Biodiversität weit mehr ist als nur ein schönes Schlagwort.
00:01:40: Und damit herzlich willkommen unserem Podcast.
00:01:43: Bund Ist Gut Lieber Andreas.
00:01:45: Ich freue mich sehr
00:01:48: Andreas, du verwaltest eine der größten Genbanken in der Welt.
00:01:51: Wenn du einem Kind erklären müsstest, was ein Genbank ist?
00:01:54: Wie würdest du das tun?
00:01:56: Ja, eine Genbank vergleichbar mit einer Archenoa und nur dass wir hier keine Tiere erhalten und aufbewahren sondern Pflanzen.
00:02:11: Pflanzen in Form von Saatgut, von Samen die in aller Welt gesammelt worden sind und hier in großen Kühlschränken, sprich Kühlhäusern aufbewahrt werden.
00:02:25: Genau!
00:02:25: Und da schlummern einhundertfünfzigtausend Saatgutproben?
00:02:30: Was geht dir eigentlich durch den Kopf wenn du durch diese Regalreihen gehst?
00:02:34: Ich bin immer wieder beeindruckt von dieser riesigen Menge, die wir dort haben... ...die Samenlagern im Glascontainer.
00:02:42: man kann sie also auch sehen Und man sieht schon rein an diesen Samen wie unterschiedlich, wie sprich divers dieses Material ist.
00:02:52: Das sind also Samen aus aller Welt aufgesammelt allerdings mit der Einschränkung nur Pflanzenarten die in der gemäßigten Klimazone wachsen.
00:03:03: hier bei uns in der Genbank generell weltweit werden natürlich auch tropische Pflanzen aufbewahrt
00:03:09: Und werden die dann anders aufbewahrt oder auch woanders aufbewährt?
00:03:13: Die wären teilweise woanders.
00:03:15: Zum Beispiel gibt es eine riesengroße Genbank für Reis, auf den Philippinen.
00:03:23: Dort lagern hundertzwanzigtausend Musterreis aber eben nur Reis.
00:03:28: das macht es auch dann etwas einfacher für die Kollegen wir in unserer Genbank hier in Garters leben.
00:03:34: Wir haben über drei tausend verschiedene Arten angefangen von den Getreiden, also Weizen, Gerste, Roggen, Mais über die Leguminosen oder Hülsenfrüchte Erbse, Bohne bis hin zu den vielen Gemüsearten.
00:03:50: Inklusive der Kohl!
00:03:52: Und warum macht ihr das eigentlich?
00:03:56: Ja es ist ja folgendermaßen ein Landwirt baut immer nur das an was ihm den höchsten Ertrag und Gewinn bringt.
00:04:04: er muss seine Familie ernähren Und die alten bisher genutzten Sorten interessieren ihn nicht.
00:04:11: Die müssen ihn auch nicht interessieren.
00:04:13: und vor etwa einhundert Jahren hatte man erkannt, es war also die Zeit als die moderne Pflanzenzüchtung begann.
00:04:21: Die männlichen Regeln waren wieder entdeckt worden.
00:04:23: Man machte gezielte Kreuzungen das mit der Zunahme an modernen Sorten die alten Sorten verschwinden.
00:04:32: Und damit das nichts passiert, hat man begonnen dieses Material aufzusammeln und aufzubewahren.
00:04:40: Für künftige Züchtungen, für künfte Gekreuzungen ... Wenn Sie so wollen für die künstige Ernährung der Menschheit?
00:04:47: Ja!
00:04:47: Und wenn wir von alten Sorten sprechen was genau macht eine Sorte eigentlich zu einer alten Sorte?
00:04:54: Also ab wann kann man von einer alten Sorte sprechen?
00:04:58: Eine alte Sorte ist im Prinzip eine Sortedie nicht mehr großflächig im Anbau ist.
00:05:05: Wobei in der Genbank nicht nur sich Sorten befinden, denn eine Sorte ist ja ein Produkt das einen Züchter entwickelt hat, das auch geschützt ist, sondern hier gibt es vor allem sehr viele sogenannte Landrassen oder Landsorten die keinen Sortennamen haben, die aber in der Vergangenheit angebaut worden sind über hunderte von Jahren und die jetzt plötzlich nicht mehr da sind.
00:05:33: Und wenn sie nicht aufgesammelt worden wären, und in der Genbank aufbewahrt wurden.
00:05:40: Was genau macht ihr am Leibniz-Institut in Gartas Leben?
00:05:43: Also woran genau forscht ihr?
00:05:47: Ein Schwerpunkt der Forschung hier ist die Erforschung der Langlebigkeit von Saatgut.
00:05:55: Das heißt wie lange kann ein Samen überleben?
00:06:00: Es ist ja ganz wichtig das zu wissen, weil das natürlich die ganzen Anbauregeln und so weiter beeinflusst.
00:06:09: Und wir wissen heute dass es da Riesenunterschiede zum einen zwischen den Arten gibt.
00:06:15: Es gibt also Arten, die sind sehr robust Die Leguminosen, also die Erbsen oder die Bohne Wenn sie die unter Raum Temperatur lagern keimt die nach zwanzig Jahren immer noch Im Kühlager Wissen wir, über einhundert Jahre aufheben können.
00:06:33: Andere Arten wie die Zwiebelsaatgut oder Salatsaatguth sind sehr sensitiv und der Raumtemperatur aufbewahrt, sind sie nach fünf Jahren tot.
00:06:45: Im Kühlhaus können wir das aber auch auf vierzig Jahre strecken.
00:06:49: Und das ist eine Sache, die ganz wichtig ist nicht nur für unsere Genbank sondern generell für das Management der Genbanken in aller Welt.
00:06:57: heißt es im Umkehrschluss, wenn ich als Verbraucher ... Ich bleib mal wieder beim Kohl.
00:07:02: Schönen Kohl habe ein Kohlrabi und ich packe den in den Kühlschrank.
00:07:06: Da sind sechs Grad in diesem Gemüsefach.
00:07:09: Dann bleibt der länger frisch, als wenn ich ihn draußen hab.
00:07:14: Das auf alle Fälle gilt sowohl für die eigentlichen Gemüseteile aber das gilt eben auch für das Saatgut.
00:07:23: Das heißt man muss immer ... Wieder regelmäßig, dann raus auf die Versuchsfelder.
00:07:29: Aber hat mal manchen Sorten vielleicht doch hundert Jahre Zeit nahezu?
00:07:33: Ja
00:07:34: genau und das wollen wir wissen um dieses Management optimal zu gestalten.
00:07:39: Super!
00:07:40: Und darum kümmerst du dich noch obwohl du offiziell schon längst im Ruhestand bist und dich zurücklehnen könntest.
00:07:46: Wir haben natürlich auch Partner mit denen ich diese Untersuchung mache.
00:07:48: Das läuft natürlich nicht nur hier am IPK sondern mit anderen Genbanken zusammen Und das ist halt diese internationale Vernetzung auch, die ganz wichtig ist.
00:07:57: Jetzt mussten wir noch sagen wo das schöne Gartasleben eigentlich ist?
00:08:00: Wo genau findet man euch?
00:08:03: Wo findet man uns?
00:08:04: natürlich in Sachsen-Anhalt und vielleicht ist dem ein oder anderen die Kultur-Welterbestatt Quedlinburg einen Begriff also in der Nähe zwischen Quedrinburg und Aschersleben Und dort befindet sich ein kleiner Ort mit etwa dreitausend Einwohnern.
00:08:23: In diesem kleinen Ort befindet es sich dieses große Forschungsinstitut, mit etwa fünfhundert bis sechshundert
00:08:31: Mitarbeitern.".
00:08:32: Dann seid ihr wirklich auch ein großer Arbeitgeber in dieser Umgebung?
00:08:36: Das ist richtig!
00:08:38: Vor allem im technischen Bereich – die Wissenschaft ist natürlich international.
00:08:43: Wir haben also hier Wissenschaftler bei uns aus vierzig verschiedenen Ländern, die hier tätig sind.
00:08:49: Also das ist eine riesen... auch bunte Vielfalt!
00:08:54: Sprecht ihr Englisch vor allen Dingen?
00:08:56: Ja also die eigentliche Umgangssprache ist Englig.
00:08:58: Das ist richtig.
00:09:00: Okay.
00:09:01: Eine Frage noch zu eurer Genbank Ihr lagert Sicherheitskopien eurer Samen sogar auf Spitzbergen.
00:09:08: im ewigen Eis Ist es manchmal so ein bisschen wie der Archinoa für unsere Kulturpflanzen
00:09:14: Richtig, also wir lagern Sicherheitsdupletten.
00:09:17: Das muss man sich so vorstellen ein kleines Tütchen ungefähr so groß wie die Saatgut-Tütchen, die sie aus dem Handel kennen allerdings nicht als Papier sondern das sind Aluminiumtüten.
00:09:28: Die sind unter Vakuum verschweißt.
00:09:30: dort lagern die Samen und die schicken wir und da haben wir teilweise auch schon zu einem großen Anteil in das internationale Saat-Gut-Depot nach Spitzbergen.
00:09:42: Das ist in den letzten Jahren eröffnet worden.
00:09:45: Und die Genbanken aus aller Welt haben die Möglichkeit, dort ihre Sicherheitszupletten einzulagern.
00:09:53: Für den Fall, dass beispielsweise hier im Gartersleben mal ein Flugzeug abstürzt?
00:09:58: Dann wäre ja alles verloren!
00:10:00: So hat man dort diese Sicherheitskopie und kann sie dann bei Bedarf natürlich wieder zurückholen.
00:10:07: Sag mal wie stelle ich mir das vor?
00:10:09: so eine Gene ... Also wird das gelagert in Reagenzgläsern oder sind die Samen auf Papier gestreut und dann in Spitzbergen eingefroren?
00:10:19: Und bei uns irgendwie kühlgelagert.
00:10:21: Oder wie genau sieht das aus?
00:10:24: Ja, wir haben vier große Kühlkammern mit großen Hochregalen.
00:10:31: In diesen Regalen stehen Gläser – ihr seht sie als Einweggläser und in diesen Gläsern lagern die Samen bei minus achtzehn Grad Celsius.
00:10:43: Und unter diesen kalten Bedingungen kann man das Saatgut über mehrere Jahrzehnte am Leben erhalten.
00:10:50: Wir müssen natürlich immer wieder prüfen, ob diese Samen auch wirklich noch am Leben sind.
00:10:56: Das heißt wir müssen immer wieder Proben aus dem Kühlhaus herausnehmen In einem Keimlabor ankeimen und schauen, wie hoch ist die Keimfähigkeit dieses Materiats.
00:11:09: Und wenn die Keimbähigkeit einen bestimmten Level unterschreitet in der Regel siebzig Prozent dann müssen wir diese Samen aus dem Kühllager herausnehmen ins Feld bringen frische Saat erzeugen und diese friche Saat geht dann zurück in die Kühlkammer.
00:11:27: es ist also ein ewiger Kreislauf prüfen anbauen Einlagern.
00:11:34: Unsere Aufgabe ist es, diese einhundertfünfzigtausend Proben am Leben zu erhalten.
00:11:40: Für uns?
00:11:41: Für unsere Kinder?
00:11:42: Kindeskinder und so weiter!
00:11:45: Ja... Das ist auch logisch.
00:11:47: Dass man immer wieder guckt, ne?
00:11:48: Keimt das noch und dass man's dann ausbringt.
00:11:51: D.h.,
00:11:52: Gartas-Leben, euer Leibniz-Institut besteht nicht nur aus Kühlregalen sondern auch aus Feldern wo man das wieder anpflanzen kann.
00:11:58: Das ist richtig.
00:11:59: wir haben also pro Jahr zwischen sechs und acht tausend Proben immer wieder im Anbau und während dieses Anbaus schauen wir auch nach bestimmten Merkmalen.
00:12:12: Wir sagen Charakterisierung und Evaluierung, wir schauen also beispielsweise nach dem natürlichen Befall von Krankheiten.
00:12:21: Wir schauen nach morphologischen Merkmalen Blütenfarbe oder Pflanzenhöhe die das wird dann akribisch aufgezeichnet und das geht dann in eine Datchenbank wo all diese Daten dann zu den einzelnen Proben gespeichert werden.
00:12:38: Viele Menschen verbinden alte Sorten automatisch mit besseren Geschmack oder mehr Gesundheit, zum Beispiel dass die alten Sorten nicht so allergische Reaktionen auslösen.
00:12:51: Ist das wissenschaftlich haltbar?
00:12:54: Was die allergischen Reaktion angeht ist das nicht haltbar.
00:13:00: Da haben wir Untersuchungen bei Getreiden bei Weizen vor allem auch mal durchgeführt.
00:13:06: Wir haben also jeweils die führenden Sorten der letzten einhundert Jahre, ja seitdem in der Genbank auch liegen vergleichsweise gemeinsam angebaut und dann geschaut und es gab dort kaum Unterschiede was den Geschmack angeht.
00:13:25: Dort ist das anders.
00:13:27: dort ist es wirklich so dass ältere Sorten teilweise bessere Geschmackseigenschaften haben.
00:13:36: Aber was sie natürlich leider dann nicht mehr haben, sind beispielsweise Resistenzen oder Ertrag.
00:13:44: Weil daraufhin hat man ja gezüchtet, man hat diese Geschmacks- eigenschaften verloren aber dafür andere züchtungsrelevante Eigenschaften erhalten
00:13:55: können.".
00:13:56: Gibt es denn alte Kohlsorten oder andere Gemüsesorten bei denen du sagst?
00:14:00: Das wäre ein großer Verlust gewesen, wenn Sie verschwunden wären?
00:14:04: Ja natürlich.
00:14:05: Es gibt sehr viele.
00:14:06: Vor allem auch deutsche Kohlsorten.
00:14:09: Heute gibt es ja in Deutschland keine Gemüsesichtung in dem Sinne mehr.
00:14:13: Das ist alles nach Holland ausgelagert oder verlagert worden.
00:14:17: aber diese alten deutschen Sorten die wir hier an der Bank haben sind schon sehr intensiv und einzigartig im Geschmack.
00:14:27: Eine Frage mal dazwischen magst du selbst gerne Kohlen?
00:14:30: Ja, selbstverständlich.
00:14:34: Ich frag mich immer ... Wir sprechen in dieser Reihe viel über Kohl und auch über anderes Gemüse, aber hauptsächlich über Kohl?
00:14:42: Wie konnte denn aus diesem Wildkohl überhaupt die Vielfalt werden von Grünkohl, Rosenkohl, Brokkoli, Blumenkohl oder noch Kohlrabi?
00:14:51: Wie ist das passiert?
00:14:52: Das ist natürlich ein sehr langwieriger Prozess.
00:14:57: Ich hatte vorhin gesagt, die gezielte Pflanzenzüchtung begann vor etwa einhundert Jahren.
00:15:03: Die Selektion, die sogenannte Domestikation also das man aus Wildpflanzen unserer heutigen Kulturpflanzen entwickelt hat, ausgelesen und selektiert hat ist ein Prozess der sich über mehrere Tausend Jahre erstreckt wo also die Menschen in gezielten Richtungen selektierter haben die heutige Vielfalt entwickelt haben.
00:15:29: Genau, das wollte ich auch gerade fragen!
00:15:32: Wie entsteht so eine neue Sorte vom ersten Züchtungsgedanken bis zum fertigen Saatgut?
00:15:36: Wie läuft dieser Prozess ab?
00:15:38: Ja, das ist ein relativ langwieriger Prozess.
00:15:42: Man schätzt heute dass die Entwicklung einer neuen Sorte von der Ausgangskreuzung bis am Ende zur Zulassung etwa zehn bis fünfzehn Jahre dauern kann Und man macht also zunächst eine Kreuzung.
00:15:56: Man hat beispielsweise einen sehr ertragreichen Kohl, der sehr große Kohlköpfe macht aber der leider im Geschmack etwas Fade ist.
00:16:08: Dann hat man eine ganz alte Sorte die zwar relativ kleine Kohlköpfe entwickelt, die ein geringeren Ertrag hat, aber dafür eine super Geschmacksrichtung aufweist.
00:16:23: Diese beiden versucht man nun zu kombinieren.
00:16:26: Man macht also eine Kreuzung aus diesen beiden, entwickelt die Nachkommenschaften und wie seit Mendel bekannt ist, spaltet ja dann in der F-II Generation das Material auf.
00:16:39: Und in diesem Material sucht man dann ... Das ist eine sehr schwierige Aufgabe.
00:16:46: Und man braucht auch ein glückliches Händchen der Züchter dann entsprechende Nachkommenschaften heraus, die sowohl einen großen Kohlkopf haben oder noch einen Kohlkoff der groß genug ist.
00:17:03: Aber dafür diese neuen Geschmacksrichtung auch besitzen.
00:17:08: und diese Kombination meine ich das auch.
00:17:10: Kombinationszüchtungen führt man über mehrere Generationen.
00:17:14: Man muss immer wieder selektieren also auslesen immer wieder die besten Versuchen herauszufinden Und wenn man dann am Ende etwas hat, wo man meint okay das könnte etwas werden.
00:17:27: Das könnte eine neue Sorte werden Dann wird diese natürlich erst einmal hoch vermehrt.
00:17:31: Man braucht ja genügend Saatgut und geht dann zu einer Institution in Deutschland ist es das Bundes-Sortenamt die da noch einmal diese Neuanmeldung prüft und die dann dieser Sorte zur Zulassung bringen kann.
00:17:49: Das heißt zusammengefasst?
00:17:51: dass die modernen Züchter auch genau aus diesem Grunde diese genetische Vielfalt alter Sorten noch brauchen, um eben neue Züchtungen da hervorzubringen.
00:18:02: Das ist richtig!
00:18:03: Das ist genau der Punkt.
00:18:05: und da geht es aber nicht nur um Geschmack, da geht das zum Beispiel auch um Resistenz denn heute ist es ja so, dass wir relativ wenige Sorten großflächig anbauen und die Erreger Die Krankheitserreger, die entwickeln sich ja auch weiter in der Natur.
00:18:23: Und nun kann es wenn wir nur wenige Sorten im Anbau haben sehr schnell passieren dass ich die Erreger angepasst habe und über diese Sorten herfallen und diese krank machen.
00:18:37: Dann können wir zurück in die Genban gehen.
00:18:39: da haben wir nicht nur zwanzig Sorten Kohl sondern dreihundert Sortenkohl.
00:18:46: gezielt mit diesen neuen Erregern prüfen, welche dieser doch älteren Sorten Resistenzen aufweist.
00:18:56: Und diese werden dann genutzt um in unsere modernen Sortens hineinzukreuzen.
00:19:02: Kannst du ein Beispiel nennen bei dem Eigenschaften aus alten Sorten geholfen haben moderne Pflanzen widerstandsfähiger zu machen gegen Krankheiten Schädlinge oder auch den Klimawandeln mit der Trockenheit?
00:19:14: Also bei Krankheiten, insbesondere bei Getreide ist das intensiv genutzt worden.
00:19:19: Da gibt es also ein Beispiel für eine spezielle Krankheit.
00:19:22: die nennt sich Halmbruch.
00:19:24: Das ist also ein Pilz der den halben an der Basis unten infiziert und dort hat man aus einer Wildform aus einem Wildgetreide eine Resistenz genau über diese Kreuzungen in den Kulturweizen übertragen.
00:19:40: Das Ganze ist natürlich sehr aufwendig weil Die Wildform hat ja nur einen verschwindenden, geringen Ertrag im Vergleich zu unseren Kulturformen.
00:19:52: Wenn man zunächst die Resistenz eingekreuzt hat, muss man dann wieder über mehrere Jahre – wir nennen das Rückkreuzung – also immer wieder mit dem leistungsstarken Älter zurückkreuzen dabei aber immer schauen ob die Residenz noch drin ist in der Sorte und nach fünfzehn oder zwanzig Jahren wieder den hohen Ertrag der Sorte plus die Resistenz aus der Wildform.
00:20:21: Okay, und hast du auch ein Beispiel aus dem ganzen Kohlkosmos dafür?
00:20:28: Beim Kohl ist das ähnlich.
00:20:30: da gibt es also auch solche Formen wo man also aus Land sorten.
00:20:35: Er hat dort nicht auf die Urform zurückgegangen, sondern auf alte Sorten, die dann für bestimmte Resistenzen genutzt wurden.
00:20:46: Einfach so umgangssprachlich oder jetzt aus deiner Erfahrung herausgesprochen?
00:20:50: Was macht den eigentlich so gesund, diesen Kohl?
00:20:54: Stinkt ein Tuter?
00:20:55: ja, wenn man ihn kocht!
00:20:57: Ja aber er ist auch vor allem sehr vitaminreich und ... In der Vergangenheit war es auch so, dass ich Kohle hervorragend lagen ließ.
00:21:07: Man konnte ihn lange im Winter für die Ernährung nutzen und häufig die einzige Vitaminkwelle, die man hatte.
00:21:17: Heute ist das natürlich ein bisschen anders durch den internationalen Welthandel
00:21:22: usw.,
00:21:23: aber dennoch ist es von den Vitaminen her eine Sehr wertvolle Pflanzen.
00:21:29: Jetzt bauen ja auch immer mehr Menschen im Garten oder am Hochbeet alte Sorten an zunehmend?
00:21:34: Warum ist das eigentlich nicht nur ein Hobby, sondern auch ein Beitrag zur Biodiversität?
00:21:40: Genau aus dem Grunde, den ich vorhin schon genannt hatte, dass wir in dem eigentlichen Industrieanbau nur wenige Sorten haben.
00:21:49: Nur die wenigen Besten, die den meisten ertragen und Gewinn für den Gärtner bringen ... Er muss ja auch überleben.
00:21:57: Aber der Hobbygärtner, dem kommt es nicht auf die Größe des Kopfes an.
00:22:02: Er möchte einfach auch Spaß haben und das sehen wie das wächst.
00:22:07: Und vor allem auch ... Das ist eines meiner Ziele, meine Enkelkinder um denen zu zeigen, guckt mal hier wächst der Kohl da liegt nicht im Regal im Supermarkt oder so sieht die Möhre aus.
00:22:19: Die ist erst ganz klein und hat oben ganz kleine Blättchen Und daraus können wir die das ganze Jahr über beobachten und im Herbst ziehen wir sie heraus.
00:22:29: Oh, das ist dies ja groß geworden!
00:22:31: Ja also auch das Verständnis für unsere heutige Generation hier... das Gemüse ja in der Regel oft nur aus dem Regalen im Supermarkt kennen.
00:22:41: Das ist schön, dass du deine Enkel erwähnst.
00:22:43: denn ich möchte dich auch als vorletzte Frage fragen wenn wir uns in fünfzig Jahren wieder treffen würden was hoffst du werden unsere Enkel dann noch auf dem Teller haben?
00:22:54: also gut deine sind schon auf der Welt meine kommen vielleicht irgendwann?
00:22:59: Was soll man also in fünftig jahren auch aufm teller haben weil menschen wie Du heute Saatgut bewahren?
00:23:05: Ja, ich hoffe dass wir dann genau das was wir heute in unseren Kühlhäusern haben.
00:23:12: Was über die letzten einhundert Jahre aufgesammelt worden ist, dann auch noch da ist und dann genutzt wird weiterhin in der Züchtung für die Entwicklung neuer Sorten aber auch für die Vielfalt auf unserem Teller.
00:23:31: Und du beschäftigst dich seit Jahrzehnten mit genetischen Ressourcen.
00:23:35: Du hast mir gesagt, du bist ja offiziell schon im Ruhestand aber du arbeitest einfach weiter noch am Leibniz-Institut?
00:23:41: Was macht dir mit Blick auf den Klimawandel aktuell die größten Sorgen und was macht ihr auch Hoffnung?
00:23:49: Die Sorgen sind ja allgemein bekannt.
00:23:52: Die Temperatur steigt an, die Jahre werden in der Regel heißer und trockener.
00:23:58: eine Sorte wie heute bei uns auf den Feldern Wächst wird in fünfzig Jahren das so nicht mehr tun können, weil sich das Klima verändert hat.
00:24:09: Aber die Hoffnung liegt auch hier wiederum in dem Schatz den wir hier in unserer Genbank haben Denn wir haben ja nicht nur Sorten aus Deutschland hier liegen Wir haben Sorten von der ganzen Welt Aus dem Mittelmeerraum, aus Asien Regionen wo also die Pflanzen schon immer mit Hitze und Dörre und Trockenheit zu kämpfen hatten, die an diese klimatischen Bedingungen bereits heute angepasst sind.
00:24:38: Und sie können wir dann nutzen um unsere heutigen Sorten auch für diese Bedingung zu
00:24:46: züchten.".
00:24:47: Das heißt, man hilft sich auch weltweit.
00:24:50: Dass man das alte Saat gut bewahrt und alte Kultur pflanzen und sorten.
00:24:56: Also mal in Spitzbergen, im Mittelmeerraum ... Und wir bewahren eben auch ganz viel kulturpflanzengut auf damit man es für die Zukunft bewahrts.
00:25:07: Ja genau, das ist so!
00:25:09: Es gibt da natürlich einen Austausch zwischen den Genbanken.
00:25:13: Wir haben gesagt, wir in Deutschland haben einhundertfünfzigtausend Proben.
00:25:18: Wenn wir das weltweit sehen, wissen wir, dass etwa vier bis fünf Millionen Proben in den internationalen Genbanken liegen.
00:25:28: Warst du schon mal in Spitzbergen?
00:25:31: Ja ich hatte das Glück vor etwa sechs oder sieben Jahren kurz vor dem Corona-Ausbruch die Einrichtung dort zu besuchen.
00:25:40: Und es ist schon sehr beeindruckend und gigantisch, dieses Riesenlager das ja da in den gefrorenen Fels hineingetrieben worden ist.
00:25:50: Und praktisch für die Zukunft dort, die das Material konserviert.
00:25:56: Wobei man natürlich auch sagen muss, dass Material kann dort nicht für die Ewigkeiten liegen bleiben.
00:26:04: Auch dieses Material muss irgendwann ersetzt und ausgetauscht werden.
00:26:10: Das ist also auch ... Wir haben es hier immer mit lebenden Organismen zu tun, dass Saatgut lebt!
00:26:16: Es schläft halt aber sind lebende
00:26:20: Organisme.".
00:26:21: Und das macht's ja auch so spannend.
00:26:22: Immer wieder dann zu gucken, keimt es noch?
00:26:25: Und dann wieder das neue Saat-Gut hineinzunehmen und zu bewahren für kommende Generationen.
00:26:30: Also eine richtige Schatzkammer, aber eben diesmal nicht aus Gold sondern tatsächlich aus Kultur und Pflanzen.
00:26:36: gut Ja, ganz herzlichen Dank Andreas.
00:26:39: Wir haben heute gelernt dass Biodiversität nicht nur auf einer Blumenwiese stattfindet sondern auch in Kühlagern saht.
00:26:46: gut geläsern die aussehen wie Wegläser und auf Versuchsfeldern.
00:26:50: alte Sorten sind also nicht einfach nur Relikte der Vergangenheit.
00:26:53: Sie sind ein genetischer Schatz für die Zukunft, für die Landwirtschaft.
00:26:57: Für unsere Ernährung und letztendlich auch das was auf unserem Teller landet.
00:27:02: Ganz herzlichen Dank an Prof.
00:27:04: Dr.
00:27:04: Andreas Börner vom Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung in Gartas Leben!
00:27:10: Sehr gerne!
00:27:12: Und ich hoffe ihr schaltet auch bei der nächsten Folge ein.
00:27:14: Bei Bund ist gut.
00:27:16: Ja es gibt immer wieder spannendes aus dem Bereich von Gemüse und Kohlsorten zu erzählen.
00:27:23: Das war BUND ist gut, der Podcast für kluge Ernährung und gesunde Vielfalt.
00:27:28: Wenn dir diese Folge gefallen hat, abonniere den Podcast, teile ihn mit Freundinnen
00:27:32: und Freunden
00:27:34: und folge uns auf Instagram unter Kohlkosmos!
00:27:37: Bund Ist
00:27:37: Gut entsteht
00:27:38: im Rahmen des Projekts Sharp Greens am Leibniz-Institut für Gartenbauwissenschaften und wird in Erforschungsinitiative für den Erhalt der Artenvielfalt durch das Bundesministerium.
00:27:53: Bis zur nächsten
00:27:54: Folge.
00:27:54: und denkt dran, bunt ist gut.
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