Alte Sorten, neue Ideen - die Zukunft der Gemüsezüchtung
Shownotes
Wie aus Wildkohl Brokkoli wurde
Brokkoli, Blumenkohl, Rosenkohl, Kohlrabi oder Grünkohl – sie sehen völlig unterschiedlich aus. Und doch stammen sie alle von derselben Pflanze ab: dem Wildkohl.
Wie konnte aus einer einzigen Pflanzenart eine solche Vielfalt entstehen? Welche Rolle spielen alte Sorten für die Pflanzenzüchtung von morgen? Und wie können wir Gemüse widerstandsfähiger gegen Klimawandel, Krankheiten und Schädlinge machen?
In der sechsten Folge von „Bunt isst gut“ spricht Moderatorin Annette Weiß mit dem Pflanzenbiologen und Wissenschaftskommunikator Dr. David Spencer. Gemeinsam gehen sie der spannenden Geschichte unserer Kulturpflanzen nach – von den ersten Ackerbauern bis zur modernen Pflanzenzüchtung.
In dieser Folge erfahren Sie, 🥦 warum Brokkoli, Blumenkohl und Kohlrabi botanisch eng verwandt sind, 🌱 was „alte Sorten“ eigentlich sind – und warum sie heute wieder an Bedeutung gewinnen, 🧬 wie Pflanzenzüchtung funktioniert und welche Rolle genetische Vielfalt dabei spielt, 🌍 warum der Klimawandel neue Anforderungen an unsere Kulturpflanzen stellt, 🌼 weshalb Biodiversität nicht nur auf dem Acker, sondern auch im eigenen Garten beginnt, 🌿 und warum Gärtnern gut für Körper, Geist und unsere Wertschätzung für Lebensmittel sein kann. Eine Folge über die erstaunliche Geschichte des Gemüses – und darüber, wie Pflanzenzüchtung Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verbindet.
Zu Gast Dr. David Spencer Pflanzenbiologe, Wissenschaftskommunikator und Autor 🌿 Website https://www.davidspencer.de/ 🎥 YouTube – Krautnah https://www.youtube.com/@Krautnah 📸 Instagram https://www.instagram.com/davidspencerofficial/ 📸 Weitere Einblicke: @kohlkosmos
„Bunt isst gut“ ist ein Podcast des Leibniz-Instituts für Gartenbauwissenschaften, moderiert von Annette Weiß.
Transkript anzeigen
00:00:05:
00:00:08: Herzlich willkommen
00:00:09: bei BUND
00:00:10: ist gut, dem Podcast für kluge Ernährung und gesunde Vielfalt.
00:00:15: Was hat die Vielfald auf unseren Feldern mit unserer Gesundheit zu tun?
00:00:19: Und wie abwechslungsreich sollte unsere Ernährungen eigentlich sein?
00:00:24: Moderatorin Anette Weiß spricht mit Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft über die Zusammenhänge
00:00:29: zwischen
00:00:30: biologischer Vielfalthe, Ernährungs- und unserer Gesundkeit Denn Vielfalt ist nicht nur für unsere Umwelt
00:00:36: wichtig,
00:00:37: sie gehört auch auf unserer Teller.
00:00:39: Bund isst gut!
00:00:43: Brokkoli, Blumenkohl, Rosenkohl Kohlrabi oder auch Grünkohl – so unterschiedlich wie Sie aussehen stammen Sie alle von derselben Pflanze ab nämlich dem Wildkohl.
00:00:53: und wie aus einer einzigen Art dieser erstaunliche Vielfald entstanden ist warum alte Sorten heute wieder wichtig werden und welche Rolle Biodiversität für unsere Ernährung spielt Darum geht es heute bei.
00:01:04: Bunt ist gut.
00:01:07: Ich spreche heute mit Dr.
00:01:08: David Spencer, er ist Pflanzenbiologe, Wissenschaftskommunikator und vielen über seinen Podcast- und YouTube-Kanal Krautnar bekannt – auch von die Bio-Pioniere
00:01:20: als
00:01:20: Pflanzenflüsterer!
00:01:21: Herzlich willkommen, David!
00:01:26: David, wenn wir vor einem Brokkoli ein Blumkohl oder einen Kohlrabi stehen, dann sehen wir drei völlig unterschiedliche Kohlgemüse.
00:01:35: Du würdest wahrscheinlich sagen das ist alles dieselbe Pflanze?
00:01:39: Das ist ja eigentlich verrückt!
00:01:40: Wie kommt das?
00:01:42: Ja, das ist so eins meiner Lieblingsfun Facts aus der Gemüsezüchtung die es so gibt weil Viele denken ja, diese Vielfalt an Kohlpflanzen die wir da haben das sind alles unterschiedliche Pflanzenarten und in Wahrheit ist es aber botanisch gesehen gar nicht so.
00:01:55: Denn all dieser Kohl-Sorten gehören zur selben Art nämlich Brassica oleracea.
00:02:00: Das ist der Gemüsekohl im engeren Sinne und da haben wir Menschen halt durch die Züchtung in der Vergangenheit verschiedenste Sorten rausgezüchtet und dann ist mal wie beim Kohlrabi die Knolle im Fokus gewesen oder bei Brokkoli und Blumenkohl eben die ungeöffnete Blüte.
00:02:16: Und ist dieser Brassiker Ulleracea gleich bedeutend mit dem Wildkohl?
00:02:21: oder müssten wir da noch mal zweitausend Jahre zurückreisen?
00:02:25: Ja, die sind schon verwandt.
00:02:26: Das ist richtig!
00:02:27: Das ist wie gesagt dieselbe Art und man kann auch den Wildkohl wieder Kulturkohl zusammenbringen, also Kreuzen zum Beispiel.
00:02:34: Das heißt ja es ist die selbe Art aber auch da gibt's wieder genetische Unterschiede und das macht diese Sortenfielfalt.
00:02:39: dieser gibt er so toll eigentlich.
00:02:41: Und das ist heute in der Züchtung umso wichtiger wenn wir quasi wilde Gene nenne ich sie jetzt mal.
00:02:46: Also Gene aus Wildpflanzen brauchen die zb bestimmte Resistenzen vermitteln oder Klimawandel angepasste Merkmale vermittelt.
00:02:54: dann brauchen wir die auch in der modernen Kohlzüchtung.
00:02:57: Genau, da komme ich auch gleich drauf zu sprechen.
00:02:59: Ich möchte nur noch mal wissen, wie eigentlich Pflanzenzüchtungen so vonstatten geht?
00:03:05: Ist das im Hightech-Labor oder draußen auf dem Feld?
00:03:09: Wie entsteht in Wirklichkeit eine neue Kohlsorte?
00:03:13: Ja beides ist möglich aber in aller Regel ist Pflanzenzüchtung eben das was wir schon seit tausenden Jahren machen nämlich Kreuzung und Selektionen und das findet von Hand draußen aufm Feld oder im Gewächshaus statt.
00:03:26: stellt man sich so vor oder andersrum, es ist genauso wie man sich vorstellt.
00:03:29: Nämlich man hat die Blüten zum Beispiel vom Kohl.
00:03:32: also den Brokkoli würde man einfach ein bisschen zu lange stehen lassen.
00:03:35: dann gehen irgendwann diese ganzen feinen kleinen grünen Kügelchen auf und aus jeder einzelnen kommt eine Blüte raus.
00:03:40: Und dann nimmt man sich eben die Pollen von der einen Sorte und bestäubt damit die Blüte der anderen Brokkolisorte.
00:03:46: So geht Züchtung schon seit Jahrhunderten, Jahrtausenden.
00:03:49: Jetzt haben wir heutzutage andere Methoden.
00:03:50: Wir können auch im Labor hergehen und dort diese Verschmelzung von Zellen hervorrufen.
00:03:55: Da gibt es ganz verschiedene Methoden... Und ja, wir benutzen mittlerweile auch radioaktive beziehungsweise chemomutagenese.
00:04:02: Das heißt, wir nutzen so Substanzen oder Strahlung die einfach so Mutationen auslösen und Mutation klingt natürlich erstmal wie irgendwas Negatives.
00:04:11: aber eigentlich wenn man mal genauer hinschaut sind Mutation schon immer der Treiber für Artenvielfalt und Sortenfielfald gewesen.
00:04:18: oft taucht er der Begriff alte Sorte auf.
00:04:21: Wie alt ist denn so eine alte Sorter?
00:04:23: Also was macht eine Sorte zur alten Sorte?
00:04:27: Ja dieser Begriff ist so ein bisschen unwissenschaftlich, möchte ich sagen.
00:04:31: Also der ist nicht so genau scharf definiert ne?
00:04:33: Eine alte Sorte ist jetzt erstmal eine in Vergessenheit geratene Sorte die nicht so häufig kommerziell erhältlich ist, die auch vielleicht seit längerer Zeit nicht mehr angebaut wurde.
00:04:44: aber es hat schon so sein Grund dass eine alte Sorde nicht mehr angebaut wird.
00:04:48: Die hat dann irgendwie zum Beispiel nicht mehr den Ertrag gebracht oder die hatte eine bestimmte Krankheitsanfälligkeit, die heutzutage einfach dazu führt dass man sie nicht mehr abbauen kann.
00:04:56: und da möchte die Geschmäcker hin an sich.
00:04:59: das ist auch so, dass Menschen sagen wir haben jetzt keine Lust mehr auf blaue Tomaten oder lila Tomaten deswegen bauen wir lieber rote an.
00:05:07: Aber der Ertrag, der ist da schon immer im Fokus gewesen.
00:05:10: Deswegen fallen häufig Sorten hinten runter, die nicht so ertragsstark sind und werden auf Dauer zu alten Sorten.
00:05:17: Dieser Begriff ist nicht so scharf definiert, denn eigentlich ist ja nur das eine Sorte, was irgendwann mal auch ne Zulassung durch das Bundes-Sortenamt gekriegt hat.
00:05:26: Das ist bei alten Sortens nicht immer so der Fall.
00:05:29: Das Bundes-sortenamter spielt eine Rolle mit Prof.
00:05:32: Dr.
00:05:32: Andreas Birner?
00:05:34: vom Leibniz-Institut in Gartersleben und Sachsen-Anhalt.
00:05:37: Diese alten Sorten gelten oft als robuster, geschmacksvoller sogar gesünder.
00:05:43: Was davon stimmt oder ist das eher eine romantische Verklärung?
00:05:48: Ja, ich fürchte da muss ich so ein bisschen Sand ins Getriebe näher wie heißt das Wasser in den Wein schütten.
00:05:56: Alte Sorten kann man nicht pauschal so sagen dass die irgendwie gesünder zum Beispiel sind.
00:06:00: also es gab Studien die gezeigt haben das bestimmte Tomatensorten zb einfach mehr Nährstoffe enthalten und mehr verschiedene Sekundäre Pflanzenstoffe wie zum Beispiel Flawonoide, Phenole und so etwas.
00:06:12: Dass diese Dinge da erhöht sind.
00:06:14: aber dann kommt das auch wieder sehr auf die Art und Weise an wie wir anbauen.
00:06:17: also bedeutet wenn man eine Tomate geschützt in Gewächshaus oder sogar in Hydro Kultur also ohne richtigen Kontakt zum Substrat zum Erdreich anziehen Dann produziert sie auch weniger dieser Inhaltsstoffe.
00:06:28: Wenn wir aber die gleiche Tomate draußen im Freiland anbauen, hat sie viel mehr dieser Stoffe und der Grund dafür ist einfach eine Tomate, die Wind- und Wetter ausgesetzt ist.
00:06:35: Die baut für sich für ihre eigene Abwehr.
00:06:37: auch mehr dieser Inhalsstoffe bedeutet also andersherum.
00:06:40: diese gesundheitsrelevanten Inhaltsstoffe von Gemüse haben öfter was mit der Umwelt zu tun und weniger eigentlich mit der Züchtung an sich.
00:06:48: Jetzt sagt man, auf das alte Sorten robuster sind.
00:06:51: Das stimmt oft, ne?
00:06:53: Dass es liegt eigentlich daran dass man früher häufig im Freiland angebaut hat und wir heute bestimmte Merkmale wieder brauchen abseits vom Ertrag nämlich eben dieses wie können Pflanzen mit mehr Trockenheit klar kommen, mit neuen Shadling oder mit extremen Wetterereignissen?
00:07:07: diese Dinge die werden heute wieder wichtiger und das können wir von den alten Sorten lernen.
00:07:11: Genau, ich muss noch mal einmal einhaken.
00:07:14: Ich hab auch mit Fabian Weber gesprochen, Professor der zu Geschmack forscht und jetzt ging's da nicht um Kohl sondern um alte Apfelsorten und der meinte bei einer bestimmten Sorte jedenfalls war es früher so dass die eben nicht so die Allergien... ausgelöst hat.
00:07:32: und bei neuen Sorten, die eben mehr auf Ertrag und so gezüchtet sind.
00:07:36: Da sind Leute, die wahrscheinlich unhin schon anfällig sind dann auch anfälliger für eine allergische Reaktion.
00:07:43: Das kannst du aber bestätigen!
00:07:45: Ja genau, das hat nicht unbedingt was mit diesen sekundären Pflanzenstoffen zu tun.
00:07:49: Das hat auch mit anderen Stoffwechsel wegen speziell im Apfel zu tun, dass es war und das sind Dinge auf die man vielleicht oft nicht geschaut hat in der Vergangenheit wo man ein genaures Augenmerk drauf legen sollte, wo diese Allergene herkommen.
00:08:02: Das ist speziell für den Apfel auf jeden Fall, das habe ich auch schon mitbekommen.
00:08:04: ja
00:08:05: Aber jetzt kümmern wir uns vorrangig wieder ums Gemüse und um den Kohl.
00:08:09: Wenn jetzt moderne Sorten auf Attrag und vielleicht Einheitlichkeit, dass sie alle so schön aussehen.
00:08:15: Keine Stellen haben!
00:08:17: Und auch auf Transportfähigkeit gezüchtet werden... Was geht dabei möglicherweise alles verloren?
00:08:24: So ein bisschen dasselbe mit der Pflanzen gemacht, was wir auch mit den Schoßhöhnchen und Haustieren gemacht haben.
00:08:29: Das vergleiche ich manchmal ganz gerne weil... Wir haben so bestimmte Menschen gemachte Aspekte oder Schwerpunkte gehabt die eben ertrag waren wie du es gesagt hast oder eine besonders große Früchte Und haben dabei aber andere Dinge vielleicht ein bisschen verloren und das ist bei den haustieren ganz ähnlich.
00:08:46: also wer so einen rasse Hund zuhause hat der weiß, er hat mal Hüftprobleme, hat irgendwie Atemnot oder Ohren Entzündungen.
00:08:54: Und so ähnlich ist es bei den Pflanzen auch.
00:08:55: Also die haben ihre natürliche Widerstandsfähigkeit so ein Stück weit verloren dadurch dass der Fokus und diese Lektion gerade auf den Ertrag gingen die letzten Jahre und Jahrzehnte Und das sind so Dinge, die wir jetzt wieder gut machen wollen in der Pflanzensüchtung.
00:09:08: Wir merken oder wissen auch, wir können in Zukunft mit weniger Ackerchemie auskommen, also weniger Pflancenschutzmittel einsetzen und es geht nur indem sich die Pflanze selber verteidigen lernt.
00:09:18: Das ist aktuell der Fokus der Züchtungen.
00:09:22: Du hattest das schon erwähnt?
00:09:24: Gerade durch den Klimawandel bei uns ... Brandenburgischen, merkt man einfach das es Dürrer ist.
00:09:32: Dass der Niederschlag entweder ganz stark kommt durch Extremregen oder einfach ausbleibt.
00:09:37: Das leitet mich zu der Frage welche Eigenschaften Kohlsorten und auch anderes Gemüse in Zukunft mitbringen müssen damit sie mit dem Klimawandeln, mit der Trockenheit und eben auch mit neuen Krankheiten die wahrscheinlich damit einhergehen zurechtkommen?
00:09:52: Ja, das sind ganz praktische architektonische Eigenschaften wie ein tiefereichendes Wurzelwerk zum Beispiel.
00:09:57: Also einen Kohl der irgendwie Meter tiefer kommt, der kann auch länger oder effizienter das Grundwasser ansapfen.
00:10:03: Das ist eigentlich relativ selbsterklärend.
00:10:05: Dann gibt es an Pflanzen immer so kleine Spaltöffnungen an den Blättern.
00:10:08: die sind mikroskopisch klein und die Pflanze benutzt sie um im Wasserhaushalt zu regulieren also z.B.
00:10:13: zu schwitzen könnte man in menschlichen Begriffen sagen.
00:10:17: Und diese Fähigkeiten der Pflanzen tief ins wass hat oder tief in den Boden zu kommen oder auch den Wasserverlust zu minimieren, die können wir mehr herauskitzeln mit den richtigen Züchtungen.
00:10:27: Das sind so Dinge, die man gegen Trockenheit und Dürre machen kann.
00:10:31: Jetzt hast du die neuen Schädlinge auch erwähnt.
00:10:33: das ist natürlich ein Problem was... relativ plötzlich um die Ecke kommt.
00:10:37: Dann gibt es irgendwie in einem Jahr vielleicht mal zwei oder drei, vier Vertreter einer neuen Schädlingsart und die ist dann im nächsten Jahr total relevant und zerstört die Hälfte der Felder gerade zu sehen ganz oft bei dieser Schilfglasflügel-Zikade.
00:10:50: Das ist eine Zikade eigentlich heimisch aber die trägt so Vektorenkrankheiten mit sich rum, die es hier vorher nicht gab und seit ein paar Jahren bedroht die sowohl Zuckerrüben als auch Kartoffeln und andere Wirtspflanzen hier bei uns in Deutschland.
00:11:03: also kann wirklich rasant gehen was so Schädlinge angeht.
00:11:05: Dadurch, dass die Winter immer milder werden und das Klima sich generell verändert haben.
00:11:09: diese Tiere vor allem Insekten, die irgendwas übertragen ist hier viel muckeligger und sie finden dann auch einfach den Weg ins Feld.
00:11:16: Das andere Ding ist wie bauen wir eigentlich an?
00:11:18: Also so ein gemachtes Bett also einen Kohlfeld was bis zum Horizont aus der gleichen Sorte besteht Ist vielleicht in sich schon eine gar nicht so schlaue Idee weil diese Sorte natürlich anfällig ist.
00:11:28: Wir haben das alle gelernt in der Coronazeit Was es bedeutet wenn man dass man eine Physikal Distancing machen kann.
00:11:36: Wenn der eine krank wird, wird er auch krank und der nächste auch.
00:11:39: Die Pflanzen können nicht weglaufen, brauchen wir andere Methoden und müssen vielleicht so etwas wie Mischkultur noch mal neu etablieren, dass man zwischen die Kohlepflanzen auch was anderes setzen kann.
00:11:49: Das sind alles so Ansätze.
00:11:50: Nicht nur die Züchtung sondern eben auch die Agrarsysteme der Zukunft sind total wichtig um da klimafest Pflanzen anzubauen.
00:11:58: Das ist ja genau dein Thema.
00:11:59: du hast zur Resistenz-Züchtigung promoviert.
00:12:04: Kannst du ruhig ein bisschen mehr erzählen, wie man das schafft?
00:12:07: Dass Pflanzen widerstandsfähiger werden gegen Krankheiten oder auch gegen Schädlinge.
00:12:14: Total gerne!
00:12:14: Ich habe vorhin die sekundären Pflanzenstoffe erwähnt und das sind eigentlich im Pflanzenreich durch die Bank sogenannte ... Fytoalexine, also Abwehrstoffe die dafür gemacht sind um zum Beispiel einem Insekten den Appetit zu verderben oder einen Pilz am Wachsen zu hemmen und so was.
00:12:32: Also das sind wirklich bekannte Substanzen wie das Kapsaicin aus Chili, was jeder kennt total scharf und das ist natürlich evolutionär.
00:12:39: hat es den Sinn dass Nage-Tiere oder Säugetiere nicht in Chiliflanze essen sondern vor allem Vögel die übrigens unempfindlich sind gegen das Kapsaicin Und dann eben die Chili Pflanze oder die Chilisamen über die Anden tragen wo die Chilipflanze ursprünglich herkommt.
00:12:51: Also es hat alles so seinen Sinn.
00:12:53: und genauso auch um zurück auf den Kohl zu kommen, gibt es diese Senvölglokoside also Stoffe in Kohlpflanzen die relativ scharf schmecken, die wir ein Stück weit auch rausgezüchtet haben aus dem Kohl damit er für uns irgendwie ein bisschen genießbarer und verträglicher ist.
00:13:07: trotzdem braucht die Pflanze dieser Stoff.
00:13:09: Man muss ein bisschen einen schmalen Grad treffen Ebenso einen sweet spot treffen, in dem die Pflanze eben nicht komplett ihre Abwehrkräfte beraubt ist.
00:13:17: Aber für uns trotzdem noch genießbar und das ist in der Züchtung immer so ein Ding.
00:13:22: Man kann verschiedene Methoden benutzen habe ich vorhin schon erwähnt Kreuzung Selektion.
00:13:25: man kreuzt vielleicht auch die wilden Verwandten von Kulturpflanzen ein.
00:13:30: Man kann aber auch wie ich zum Beispiel meiner Forschung gemacht hab in meiner Doktorarbeit nach Resistenz gehen suchen in der Natur Und Ich habe dann zum Beispiel gefunden dass Fast alle Sonnenblumen-Sorten, die ich so ange untersucht habe einen natürlichen Pilzabwehrstoff bilden.
00:13:46: Das ist so ein Kumarin nennt sich das.
00:13:47: Und die Gene, die dieses Kumarin bauen können oder für den Bau dieses Kumarins nötig sind kann man übertragen in alle möglichen Nutzpflanzen sodass sie auch Kumarine bilden.
00:13:56: Das ist natürlich Gentechnik im engeren Sinne.
00:13:58: also da überträgt man Gene von artfremden Pflanzen in die Kulturpflanze des Begehrens.
00:14:04: aber das Ergebnis war dann schon erstaunlich.
00:14:07: Die Pflanzen haben diesen Stoff produziert der es auf die Blätter gegangen aber nicht in die Früchte und die Pilzkrankheiten die man so aufgebracht hat auf die blätter einfach nicht ausgebrochen.
00:14:16: Also die Pflanze war plötzlich resistent, womit man dann wieder sowas wie Fungizide sparen kann.
00:14:20: und ich denke so sind alle Methoden irgendwie zuerst mal interessant zu untersuchen.
00:14:25: und wir schauen was gibt es alles für Wege und Mittel um ans Ziel zu kommen damit unsere Pflanzen eben nicht mehr so abhängig sind von unserer menschlichen Zuwendung und von unserer Medizin die wir da öfter über den Acker kippen müssen.
00:14:36: und vielleicht kriegen wir das Ganze auch ein bisschen minimalinvasiver hin.
00:14:41: Wenn wir über Wegzüchten sprechen, da fällt mir eins ein.
00:14:43: Meine Mutter hat früher oft Kohl gekocht und dann stank das ganze Haus ja.
00:14:48: Könnte man sowas wegzüchten?
00:14:51: Ja genau könnte man.
00:14:52: aber will man das?
00:14:53: Das ist ja die andere Frage.
00:14:55: Ich verstehe was du meinst.
00:14:56: es ist auch oft so eine esskulturelle Geschichte dass bestimmte Dinge müssen oder sollen so schmecken damit sie mit dem richtigen Gericht funktionieren oder im richtigen Kulturkreis funktionieren Und das finde ich auch immer wieder spannend.
00:15:10: Deswegen ist auch Kulinarik und Pflanzenzüchtung so eng verknüpft, also wir versuchen ja nicht nur zu züchten für die Wirtschaftlichkeit sondern tatsächlich auch für einen Markt der entweder da ist oder nicht da ist.
00:15:23: und wenn die Menschen sagen Wir haben jetzt alle Lust plötzlich auf bunte Tomaten dann ist das super aber diese... Zu diesem Anreiz müssen wir erstmal kommen dass Menschen erfahren was es für eine theoretische Sortenvielfalt gibt und dann kommt ihr auch wieder in den Markt.
00:15:36: Da bin ich überzeugt.
00:15:38: Ebenso habe ich den Eindruck, dass auch bestimmten Kohlsorten die Bitterkeit Appel gezüchtet wurde.
00:15:45: Und du nickst auch schon, ich seh dich nicken.
00:15:47: also zum Beispiel Rosenkohl.
00:15:49: Also es mag auch daran liegen das sich als Kind dachte boss der bitter Dass man da noch anders schmecken kann ja aber nee Ich glaube auch und ich hab's ja auch schon bestätigt bekommen er ist nicht mehr ganz so bitter ebenso chicory für mich früher ungenießbar.
00:16:02: jetzt denke ich wo es denn da Das bittere geblieben?
00:16:05: und das gleiche Du hast die Senföle erwähnt.
00:16:07: auch die glaube ich sind abgemildert worden.
00:16:09: Ist das so, weil die Nachfrage von uns Konsumierenden so war?
00:16:14: Dass man gesagt hat ne wir hätten gerne schon Kohl soll ja auch gesund sein aber bitte nicht so bitter!
00:16:21: Das ist so, ja.
00:16:22: Wir Menschen haben schon immer Pflanzen nach unserem Geschmack geformt, sag ich mal und das meinte ich eben.
00:16:28: Dabei ist nicht immer alles gut gegangen.
00:16:30: wir haben damit auch wichtige Dinge verloren und es ist natürlich eine Frage der Gewohnheit oder Essgewohnheit.
00:16:36: also wir können uns theoretisch sehr... Wir können den Magen und auch die Zunge an solche Dinge gewöhnen.
00:16:42: Wenn wir dann auch im Hinterkopf haben, wie gesund das eigentlich ist, Bitterstoffe zu essen?
00:16:46: Natürlich muss es nicht diese riesen Menge sein!
00:16:48: Wir Menschen sind evolutionär so gemacht, dass wir selbst kleinste Nanomengen an Bitterstoffen wahrnehmen.
00:16:53: Das hat seinen Grund damit wir eben auch frühzeitig irgendwie giftige Nahrungsmittel zuordnen können.
00:16:58: aber wie gesagt bei den Pflanzen ist es wichtig, dass sie das ein Stück weit behalten.
00:17:04: kann sowas auch zu bequemeren Züchtungen führen, wie im Fall des Grünkohls.
00:17:08: Der ja früher immer den Frost brauchte um besser zu schmecken.
00:17:12: mittlerweile die neuen Züchtung brauchen das nicht mehr und das ist natürlich irgendwo auch eine Anpassung an den Klimawandel denn wo der harte Frost ausbleibt möchte man in Oldenburger Land trotzdem noch seinen Grünkohl mit Pinkel genießen?
00:17:25: Genau, und wenn der Forster einfach nicht kommt dann hätte man nicht ernten können.
00:17:28: Also das geht jetzt auch mit den neuen Züchtungen.
00:17:31: Sag mal noch einmal eine Stufe zurück einen Schritt zurück Wenn wir überhaupt über Züchtung sprechen wie lange ist es her dass die Menschen angefangen haben zu züchten?
00:17:39: Tausend Jahre zehn tausend jahre
00:17:42: Ja da geht man von unterschiedlichen Schätzungen aus irgendwas zwischen zehn und zwölf tausende Jahre ungefähr.
00:17:47: ist das her dass wir Unser Dasein als Jäger und Sammler aufgegeben haben in einer Region, die heute als der fruchtbare Halbmond bezeichnet wird.
00:17:55: Also so östliche Türkei, Irak, Anatolien diese Gegend... Das belegen einfach so palio-botanische Funde, dass da eben Menschen sich zum ersten Mal sesshaft gemacht haben, Ackerbauern geworden sind.
00:18:08: und da findet man dann eben so von Hafer und Emma und Einkorn.
00:18:13: So bestimmte ursprüngliche Getreidesorten findet man an einer Stelle viel Pollen-und Saatgut.
00:18:19: Und das ist ungefähr diese Phase die auch als neolitische Revolution bekannt ist wo wir Menschen gemerkt haben okay wir können mit einer bestimmten systematischen Art Pflanzen anzubauen mehr Leute ernähren brauchen, also andersherum wir brauchen nicht mehr alle Leute für die Nahrungsmittelproduktion oder Beschaffung.
00:18:37: Sondern wir können mehr produzieren als wir verbrauchen und deswegen können auch überhaupt andere Menschen.
00:18:42: oder kann man verschiedene Berufe ergreifen.
00:18:44: dann können vielleicht ein paar Ärzte werden oder Musiker oder Podcastern während der anderen Teil sich um die Nachungsmittelbeschaffung kümmert.
00:18:51: und das ermöglichte so gesehen auch erst die Zivilisation wie wir sie heute kennen.
00:18:56: Noch mal ganz kurz zu dir.
00:18:57: Du bist ja auch Phytopathologe, was ist das eigentlich?
00:19:01: Ein Phytopathologe ist ein Pflanzenarzt wenn du so willst.
00:19:04: also Phyto heißt ja Pflanze und Pathologe isst ja irgendwie die Lehre der Krankheiten oder der Leiden Und genau das ist es.
00:19:10: Also ich untersuche in meiner Forschung wieso Pflanzen krank werden wie man das präventiv verhindern kann aber auch wie man dass dann eben kurativ heilen kann.
00:19:20: Alles von Pflanzenschutzmitteln bis hin zu neuen Züchtungen zählt dann eben zu diesem Pflansenschutz dazu.
00:19:26: Man kann genetischen Pflancenschutz durch Züchtung übertreiben, man kann aber auch andere Formen des Pflanzenschutzes wie biologischen Pflanzen schurz oder mechanischem Pflanzen-Schutz durch bestimmte akkabauliche Verfahren verwirklichen.
00:19:39: in deinem YouTube-Kanal mal kurz reingeschaut.
00:19:42: Und ich hab auch beim Instagram-Profil kurz re ingeschaut, man sieht dich gerne einfach so durch den Gartenstreifen.
00:19:48: Das heißt es hast du schon angedeutet, du machst das auch, also Pflanzendoktor sein mit ganz normalen Mitteln auf dem Feld und ... Du bist dann auch der Bienenflüsterer, der sagt geh da mal hin.
00:20:01: Oder wie machst du das?
00:20:02: Also trägst du das Saatgut hierhin und dort hin?
00:20:06: Ich versuch's
00:20:06: natürlich!
00:20:07: Aber man muss zwei Sachen sagen.
00:20:08: Erstmal was man im Studium lernt bringt einem nach in der Praxis herzlich wenig.
00:20:14: Wenn die Schneckeninvasion kommt, kann man noch sehr fach simpeln über Abwehrstoffe.
00:20:18: Dann muss man wirklich seinen Tomaten und Salat retten.
00:20:21: Und das Zweite ist... Das, was wir im Hobbygarten machen ist natürlich nur bedingt vergleichbar mit der echten Landwirtschaft da draußen.
00:20:28: Wir machen das ja so ein bisschen zum Spaß und wenn irgendwas nicht klappt dann sind wir froh dass wir noch einen Supermarkt rennen können um da eben das fehlende Gemüse zu kaufen.
00:20:36: Natürlich versuche ich hier so wenig wie möglich einzugreifen.
00:20:39: in meinem Garten möchte einfach so gucken was im Kleinen möglich ist Suche da einfach nach wegen für als Inspiration, für die große Welt da draußen.
00:20:48: Für die Landwirtschaft.
00:20:49: aber oft ist es umgekehrt.
00:20:51: ich entwickel beim Gärtnern dann so eine Wertschätzung für die Landwirtschaft, die professionelle Landwirtschaft weil dies wirklich hinkriegt zuverlässig egal wie das Wetter dieses Jahr ist, egal wie warm oder kalt es früher wird.
00:21:03: trotzdem Zu der Zeit wo die Supermärkte danach fragen wirklich die Produkte dazu haben und das vergisst man manchmal dass das nicht selbstverständlich ist und so eine funktionierende Lieferkette in an Lebensmitteln.
00:21:14: Das ist schon wirklich ein Privileg, das wir haben und im Kleinen, im Garten lernt man eben damit zu leiden wenn so eine einzelne Gemüsepflanze um ihr Leben kämpft.
00:21:23: Ja ich höre da großen Respekt von hier raus für die Landwirtschaft und tatsächlich, wir nehmen es so viel selbstverständlich dass wir immer uns jeder Jahreszeit leckere Sachen zu essen haben.
00:21:32: Ich greifte auch noch mal auf was du gesagt hast, dass auch Hobby-Gärtner gerne einfach draußen sind.
00:21:37: Ich glaube auch so zunehmend wahrscheinlich um diesen auch wachsenden Stress zu entkommen.
00:21:43: Der eigene Garten, warum kann es tatsächlich eine Gesundheitsquelle sein?
00:21:50: Es ist ja durch Studien schon belegt worden das was so bekanntes unter Wald baden.
00:21:55: ich würde es einfach erweitern auf den garten und auf alles an grünzeug in dem man sich herumwuseln kann und mit den Händen irgendwie in der Erde wühlen, dass das gut für Körper und Geist ist.
00:22:05: Also nicht nur die frische Luft, sondern eben auch wirklich um das Umgebensein von Pflanzen, die direkte Nähe zu Pflanzen fördert nachweislich bestimmte positive Aspekte für unseren Körper und unsere Gesundheit.
00:22:19: Und deswegen finde ich viel mehr als dieser dieser Drang wirklich ordentlich Tomaten aus dem Gewächshaus zu ziehen oder kiloweise Kartoffeln aus der Erde.
00:22:29: Viel wichtiger ist überhaupt diese die Beschäftigung damit, ne?
00:22:33: Also sobald man anfängt sich damit zu beschäftigen hat man schon was für sich getan auch für diese Wertschätzung, die ich vorhin angesprochen habe.
00:22:39: aber genau das ist eben diesen ein anderer Aspekt der Nachhaltigkeit vielleicht auch vergessen wird.
00:22:44: neben der ökologischen Seite der nachhaltigkeit gibt es noch sowas wie eine soziale Nachhaltigkeit.
00:22:48: im Garten Lernen wir im Garten kommunizieren mit anderen.
00:22:52: Wir geben unser Wissen weiter, wir empfangen Wissen von anderen, wir tauschen uns total aus und das sind Dinge die total unterschätzt werden.
00:22:59: Die für... Für uns persönlich aber eben auch für die Erhalt von alten Sorten um den Kreis zum Anfang zu schließen total wichtig sind.
00:23:06: denn nur so in diesem klein kleinen werden ich sag mal diese Nischenkulturen oder auch Kulturen, die es vielleicht nicht auf den Markt schaffen aus verschiedenen Gründen überhaupt noch besprochen und behandelt.
00:23:17: Und so entstehen manchmal auch Ideen, die vielleicht für die große Industrie da draußen manchmal auch einfach zu abwägig sind und schaffen's dann über Umwege doch in die Wirklichkeit.
00:23:26: Hast du dafür ein Beispiel sogar?
00:23:28: Ja also hier in der Region wo ich wohne das ist ja das westliche Nordrhein-Westfalen Ich wohne an der Grenze zu Belgien.
00:23:36: Hier gibt's einige Start-ups im Lebensmittelbereich, auch im Pflanzenproduktionsbereich.
00:23:40: Und da gibt es wirklich oder ich kenne einige Menschen die zum Beispiel einfach mal gesagt haben warum der nicht Unkraut bekämpfen mit Laser oder mit Strom?
00:23:50: und die haben daraus ein ganzes Unternehmen gegründet?
00:23:52: Oder Menschen die sagen Brennnessel Jaucher benutzt man ja schon ewig im Garten was ist da eigentlich drin?
00:23:58: kann man vielleicht... drauf kommen, welcher Stoff in der Brennness wie auch was eigentlich ist.
00:24:02: Der gegen die Läuse wirkt oder sowas.
00:24:04: und dann das heißt daraus entwickeln sich neue Geschäftsmodelle und vielleicht auch neue Produkte, die auf biologischen Produkten oder biologischer Basis basieren.
00:24:12: und deswegen finde ich es total wichtig dass wir nicht nur als Hobbygärtner davon versuchen irgendwas nach zu kochen, was auf der Landwirtschaft passiert sondern andersrum, dass wir neue Ideen, die uns erstmal für eine persönliche Anekdote vorkommen immer wieder testen, vielleicht auch mal wirklich in so einem wissenschaftlichen Aufbau einfach mal eine Kontrollreihe anbauen und eine behandelte Reihe mit Brennnessel Jaucher.
00:24:32: Und dann zu schauen, bringt es wirklich was oder ist das nur mein Eindruck?
00:24:35: Und daraus können neue Ideen entstehen weil diese Kreativität hat man da draußen oft nicht in dieser freien Wirtschaft, die's da gibt!
00:24:42: Genau, also liebe Hobbygärtner erhaltet euch eure Kreativität und euren Spaß im Garten zu graben und herumzuwirken.
00:24:51: Ja ich weiß auch dass es sehr entspannt sein kann.
00:24:54: Ich habe zwar nur ein Minigärtchen aber da mal wieder was zu pflanzen und eben auch wachsen zu sehen.
00:24:58: Jetzt hast du diesen gesundheitlichen Aspekt angesprochen.
00:25:01: Aber wie sieht's denn mit dem Gemüse selbst aus?
00:25:03: Was man anbaut als Gesundheitsquelle?
00:25:07: Ja, da kommt es natürlich dann wieder auf die Sorten an.
00:25:09: Die wir am Anfang besprochen haben wenn man die richtigen Sorten ansieht und auch eine Mischkultur anzieht also eine wirklich diverse Mischung versucht anzubauen was bei uns im Kleinen natürlich besser geht als auf einem Acker Dann kann man durchaus sagen eine gesunde ausgewogene Ernährung aus.
00:25:26: Ich sag mal, eine Reihe Hülsenfrüchte.
00:25:28: Dann kommen die Möhren, dann kommen die Zwiebeln und dann irgendwie noch ein Nachtschattengewächs wie Paprika, Aubergine oder Tomate.
00:25:34: Das ist natürlich in sich schon durch die Vielfalt der Pflanzenfamilien Die auf so kleinem Raum wachsen ist das schon ein guter Teller, ein gutes Gericht.
00:25:42: dass jetzt dieselbe Tomate nicht unbedingt gesünder ist, weil sie in meinem Garten setzt wie vergleichen mit draußen und der Landwirtschaft.
00:25:48: Das habe ich am Anfang schon erklärt warum man diese Aussage nicht allgemein treffen kann.
00:25:52: aber ich würde schon sagen das Gemüse im Garten durchaus gesund wächst Weil es in Mischkultur steht.
00:25:59: die Schädlinge wissen oft nicht wo eigentlich oben und unten ist weil wir diese Misch Kulturen im Gartens einfach anbauen.
00:26:05: das geht im Feld nicht so einfach.
00:26:07: Ich glaube aber dass die Lösungen für eine Misch Kultur auf einem größeren Stil eigentlich schon da sind, wir müssen sie nur politisch fördern und so.
00:26:16: Da kommt dann eben sowas wie Digitalisierung wieder ins Spiel.
00:26:18: Ich komme ein bisschen vom Thema ab aber das ist das was wir als Gärtner... mit unserem Adlerblick machen.
00:26:25: Da ist ein bisschen Unkraut, oh hier könnte ich mal eine neue Tomate nachpflanzen oder die könnte ein bisschen dünger vertragen.
00:26:30: Das könnte in Zukunft eine Drohne machen zum Beispiel oder irgendeine andere digitale Lösung.
00:26:36: der Schlepper also der Trecker hatte irgendwas hinten dran Mit so einer Kamera die erkennt diese Pflanze braucht dies und hier wächst irgendwie einen Unkrauth.
00:26:43: das heißt man braucht nicht mehr das ganze Feld behandeln sondern wirklich nur sehr punktuell.
00:26:47: Und da gibt es auch schon sehr viele Studien zu dass man dadurch bis zu neunzig Prozent pflanzenschutz über Nacht eigentlich einsparen könnte.
00:26:53: Es fehlt nur oft an politischem Willen, das in größerem Stil zu fördern.
00:26:57: aber ich bin sicher dass wir da auf einem guten Weg sind.
00:26:59: und das meine ich wenn ich sage dieser Blick des Gärtners den könnte man quasi in die intelligenten Systeme bringen die dann den Acker auch bestellen und monitorn.
00:27:08: Ja es ist spannend was sich da noch tun wird weil tatsächlich man hat ja welcher als Gärtner noch die fünfzig Quadratmeter oder hundert im Blick ne?
00:27:15: Oder ein bisschen mehr vielleicht doch fünfhundert aber eben nicht riesengroße Felder.
00:27:20: Neunzig Prozent könnte sogar an Pflanzenschutzmitteln da gespart werden, an eben nicht ganz so gut verträglichen.
00:27:27: Tolle Zahl mal!
00:27:29: Ich komme nochmal auf moderne Sorten und Züchtungserfolge zu sprechen.
00:27:33: Gibt es da welche bei denen du sagst das zeigt ganz eindrucksvoll was Pflanzenzüchtungen leisten kann?
00:27:42: Ja, also ich bin ja ein großer Kartoffelfan.
00:27:45: Ich war irgendwann kurz nach der Schule mal in Südamerika und dann bin ich im Bolivien über so einen Markt gelaufen und habe gesehen wie viele Sorten es eigentlich gibt von Kartoffeln.
00:27:52: Tausende in allen Formen und Farben Lila grünen Und dann ganz lang gezogen banalenförmig ganz klein und knubbelig oder halt so wie wir sie hier kennen.
00:28:03: Und deswegen finde ich die Kartoffel und die verschiedene Sorten, die wir hier haben.
00:28:06: Ob es jetzt eine Annabelle ist, die klassische deutsche Kartoffeln oder etwas unbekanntere blaue Sorten antozianinhaltige Sorten wie blaue Anneliese, blaue Schwede... Oder solche Sorten.
00:28:19: Das ist einfach ein super Beispiel dafür, dass auch moderne Sorten vielfältig sein können.
00:28:24: Also reagieren oder Reaktionen sind auf das, was in der Vergangenheit vielleicht nicht ganz richtig gelaufen ist.
00:28:30: Soll heißen alle modernen Kartoffelsorten haben eine mehr-oder weniger gute braunfeule Resistenz?
00:28:35: Das war ja mal in unserer Vergangenheiten ein großes Thema.
00:28:38: Mitte des neunzehn Jahrhunderts ist die halbeirische Bevölkerung ausgelöscht worden oder ausgewandert aufgrund einer einzigen Pflanzenkrankheit und das war eben diese große Hungersnot in Irland.
00:28:49: Und als Antwort darauf haben Züchter natürlich händeringt nach einer Krankheitsresistenz gesucht, die damals noch nicht so bekannt war.
00:28:55: Heute ist es ganz normal dass man in jeder Kartoffelsorte diese Resistenz drin hat und ein paar andere und am besten auch längere Wurzeln ausgründen, die ich anfangs genannt habe.
00:29:04: Deswegen finde ich das Kartoffel-Züchtung gerade weil es ein Identitätsstiften des Gemüses für uns Deutsche ist, ist immer ein gutes Paradebeispiel für moderne Züchtungen.
00:29:13: Genau, ich habe auch gehört dass es bei Kartoffeln dann immer nur die gleichen sechs Sorten aufzukaufen gibt.
00:29:19: Warum wäre das denn gefährlich wenn weltweit immer weniger Sorten angebaut werden egal jetzt von Kartoffel oder eben auch von Kohl?
00:29:28: Weil wir ohne Vielfalt weniger anpassungsfähig sind, weniger resilient gegenüber Veränderungen, die uns vielleicht noch gar nicht auf dem Schirm haben Und weil ohne Vielfalt ist auch einfach langweilig.
00:29:41: Das sind so die Hauptargumente, würde ich sagen wir brauchen vielfalt um zu bestehen.
00:29:45: das machen die Pflanzen uns vor.
00:29:46: wenn wir irgendwie mal in der Natur unterwegs sind sehen wir wie eigentlich fast alle Pflanzen da draußen irgendwie gesund aussehen im Wald oder auf einer Wildblumenwiese.
00:29:57: Und das liegt daran, dass die in Vielfalten miteinander wachsen.
00:29:59: Also verschiedene Arten, verschiedene Sorten, verschiedene Ökosysteme und diese Vielfalt muss man einfach an jeder Stelle fördern.
00:30:05: und da reicht es nicht eine einzelne Art irgendwie zu schützen und die zu fördern sondern man muss die Art im Ganzen sehen also in ihrer genetischen Diversität, in ihrer Ökosesystem-Vielfalt.
00:30:14: und deswegen würde ich einfach sagen Vielfald ist der Schlüssel zu einer wirklich krisen und klimafesten Landwirtschaft der Zukunft.
00:30:22: Wenn wir jetzt in Zukunft nur noch wenige Hochleistungssorten anbauen würden, was würde uns auf dem Teller fehlen?
00:30:30: Vor allem leckere Sachen.
00:30:31: Wir hätten nur noch Kalorien, sprich die großen fünf, die wir jetzt anbauern also Mais, Reis, Weizen, Kartoffeln und so.
00:30:38: das sind ja Pflanzen, die nicht besonders... viele Mikronährstoffe haben.
00:30:43: Die haben viel Kalorien, die machen uns satt und das ist natürlich wichtig.
00:30:46: aber lang unterschätzt oder zurückgefallen sind die Mikronärstoffen und die Vitamine und solche Sachen Und das ist glaube ich das erste was unter der Reduktion der Sortenvielfalt leiden könnte.
00:30:57: Es ist ein sehr viel Fokus in diese Big Five und sehr viel Geld geht auch in die Züchtung dieser Big Five.
00:31:01: Aber wir sollten vielmehr darin investieren dass eben auch sowas wie Fruchtgemüse oder Wildkräuter oder so etwas mehr auf die Teller kommt.
00:31:08: Oder eben auch zum Beispiel Kohl.
00:31:10: Apropos Kohl.
00:31:12: Hast du ein Lieblingsgericht?
00:31:13: Was schmeckt dir besonders
00:31:14: gut?
00:31:17: Boah, muss ich mich jetzt für eins entscheiden!
00:31:19: Du darfst das Wein nehmen.
00:31:20: Ah, das ist aber lieb!
00:31:21: Ich finde ja total unterschätzt dass wenn man aus so Blattkohl zum Beispiel Grünkohl kann das sein oder auch Palmkohl Wenn man da so Chips draus macht also die einfach nur mit ein bisschen gutem Olivenöl Salz Pfeffer mit den Händen einmassieren und das dann backen im Ofen Dann hat man wirklich sehr crunchy Kohl chips Die man zB auf einer Bowl drüber schreiseln kann oder irgendwie zu jedem Gericht dazu servieren kann.
00:31:43: Also das find ich super.
00:31:44: Da kommt auch dieses kolige Gut raus was du meintest vielleicht gewöhnen muss.
00:31:48: Und bestimmt gesünder, als die alternative Schipstüte aufmachen und auf dem Sofa in sich hineinstopfen?
00:31:55: Ja jetzt kommt es noch an wie viel Salz man drüber schüttet vielleicht.
00:31:59: Und das andere was mir spontan einfällt ist natürlich so eine Kreuzung aus Rosenkohl und Grünkohl, die nennt sich Flowers Brouts.
00:32:08: Es ist eher so ne kulinarische oder gastronomische Spielerei.
00:32:13: also man kann diese zwei Sorten Kräuzen, logischerweise ist ja dieselbe Art wie ich am Anfang erklärt hat und dann kommt so Rosenkohl dabei raus der so ausgefranste Enden hat und ein bisschen lila ist.
00:32:22: Also sehr schick!
00:32:23: Und wenn man den auch nur einfach nur kurz entweder brät oder backt, dann ist er auch sehr lecker und kann sich auch nur empfehlen auch weil das Auge mit ist.
00:32:30: und damit Kohl eben für alle wieder interessanter wird muss man heutzutage auch einen schönen Teller kreieren und ich finde dass es ein guter Weg das zu tun
00:32:38: Genau, denn das Auge ist auch mit.
00:32:41: Den muss ich mir auf alle Fälle merken.
00:32:43: der klingt spannend dieser Kohl!
00:32:45: Ganz herzlichen Dank David.
00:32:47: wir haben heute gelernt dass hinter einem Stück Kohl weit mehr steckt als nur Gemüse und was es damit auf sich hat, alte Sorten zu erhalten.
00:32:54: Und wie wichtig die Biodiversität ist?
00:32:56: Ich hab mir noch zwei Sachen gemerkt.
00:32:58: Physical distancing und wie wichtig auch Drohnen sind beim Einsatz von tatsächlich Unterbrechung von Monokulturen.
00:33:06: Damit einfach ganz viel von Pestiziden, wie man sich das sparen kann.
00:33:11: Ganz herzlichen Dank!
00:33:12: Eine Sache an dich David du bist ja auch Science-Slammer.
00:33:16: Du hast einen Preis gewonnen für Warum ist es dir so wichtig die Wissenschaft nach draußen zu tragen?
00:33:21: Du bist jetzt nicht mehr Laborant, sondern Labyrinth von Lavabern.
00:33:25: Ja genau!
00:33:26: Ich finde einfach Wissenschaft darf nicht mehr im luftleeren Raum stattfinden.
00:33:30: So hinter verschlossenen Türen sagt man auch manchmal oder ewalweise im Elfenbeinturm das hat man auch schon mal gehört.
00:33:36: Wissenschaft wird in allermeisten Fällen von Steuergeldern bezahlt und ich finde dadurch haben wir alle irgendwie auch so ein bisschen verdient oder auch das Recht dazu zu erfahren was für Wissenschaft und wofür diese Wissenschaft betrieben wird.
00:33:49: Scheitert das, wenn Wissenschaftler nicht trainiert sind darin eine einfache Sprache zu finden?
00:33:56: Das ganze anschaulich und vielleicht auch ansprechend zu formulieren und da zu stellen.
00:34:00: Und deswegen versuche ich einfach da so ein bisschen zu vermitteln und bin jetzt schon seit ein paar Jahren frei beruflich tätig als Wissenschaftskommunikator und mache das auf den verschiedenen Formaten und Kanälen
00:34:09: Und das ist dir auch heute wieder ganz hervorragend gelungen.
00:34:12: Ganz herzlichen Dank an Dr.
00:34:13: David Spencer und den Link zu seinem Podcast- und YouTube-Kanal Krautna, den verlinken wir in den Shownotes!
00:34:21: Bleibt mir nur noch zu sagen guten Appetit bei allem was du isst David und viel Spaß weiter beim Gerdnern.
00:34:26: Ganz herzlichen Dank.
00:34:30: Das war Bunt Ist Gut der Podcast für kluge Ernährung und gesunde Vielfalt.
00:34:36: Wenn dir diese Folge gefallen hat, abonniere den Podcast, teile ihn mit Freundinnen
00:34:40: und Freunden.
00:34:41: Und folge uns auf Instagram unter kolcosmos.
00:34:44: Bund ist
00:34:45: gut.
00:34:45: entsteht im Rahmen des Projekts Sharp Greens am Leibniz-Institut für Gartenbauwissenschaften und wird in der Forschungsinitiative für den Erhalt der Artenvielfalt durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt
00:34:59: gefördert.
00:35:00: Bis zur nächsten Folge.
00:35:02: und denkt dran!
00:35:03: Bund ist Gut.
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